Nach Rudolf Steiner haben die Mineralien und Metalle ihren Astralleib oder Seelenleib auf der Sonne. Ihr Aether- oder Lebensleib befindet sich im Bereich der Planeten, innerhalb des Sonnensystems. Und das Ich, das auch sie haben, wirkt von außerhalb des Planeten- bzw. Sonnensystems, von außerhalb der Saturnbahn in das Sonnensystem hinein. Auf der Erde haben wir es im wesentlichen mit dem physischen, unbelebten Körper der Metalle zu tun.

 

Rudolf Steiner beschreibt die Entstehung der Metalle, zum Beispiel die sogenannten sieben Hauptmetalle Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber, als einen Ausfluß der reinen Planetenwirkung von entsprechend Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond.

Faßt man die Aussagen zusammen, kann festgestellt werden, daß die Metalle die Aetherwirkungen des Mineralreiches am reinsten in sich tragen. Von jeher galten sie, sowohl bei den Alchemisten wie auch in der heutigen anthroposophischen Medizin, als die Trümpfe unter den Heilmitteln, denen auch die sieben klassischen Organe Milz, Leber, Galle, Herz, Nieren, Lunge und Gehirn zugeordnet werden.

Alle anderen Mineralien, aber auch Heilpflanzen, können von ihrem Wesen und Charakter auch unter die Planetenwirkungen, jedoch in jeweils eigener Ausprägung, subsumiert werden.

Vom Astralleib und über die Empfindung der Mineralien schreibt Steiner, daß es vom Mineral als eine Lust empfunden würde, wenn es zerspringt oder zerschlagen wird. Im Gegensatz dazu empfände es das Pflanzenwesen in einer gewissen Art als schmerzhaft, wenn die Wurzel aus der Erde ausgerissen würde. Was könnte man hieraus für Schlüsse ziehen?

Ich denke, wenn das Ich-Wesen der Mineralien sich außerhalb des Sonnensystems befindet, so muß es einen peripheren Charakter haben. Die Zusammenballung und Verdichtung zu physischer Erdenmaterie entspricht dem überhaupt nicht.

Anders ist das ja bei der Pflanze, die sozusagen ein Sonnen-Licht-Wesen ist. Ihre Heimat ist ganz im Sonnensystem. Das Herauslösen der Wurzel ist eine Absonderung vom Sonnensystem, zu dem auch der physische Leib der Erde als Planet, gehört. Das Mineral - ebenso das Metall - erscheint uns formlos, amorph in einer gewissen Weise, wenn man einmal von den besonders schön ausgeprägten Mineralien und natürlich auch der Mikrostruktur absieht. Das Mineralische hat aber eine Gesamtform, sozusagen als Skelett der Planeten, vor allem der Erde. In der hier vorherrschenden Sphären- bzw. Kugelform drückt sich das Peripherische ja aus. Aber das Zusammengebackensein in der physischen Verdichtung, die das Sonnensystem unter Erdenbedingungen kennzeichnet, entspricht dem Wesen nicht. Dieses Wesen bringt dabei sein Opfer, das wahrscheinlich äußerst groß und von uns kaum zu würdigen ist. Dieses Opfer ist aber gerade nötig für den Menschen, damit er seine Erdenentwicklung durchmachen kann! Würden wir diese Opfer richtig würdigen können, dann wäre uns diese Entwicklung, die ja eine Entwicklung zur Liebe ist, unermüdliche innere Verpflichtung. Dieses Opfer zu würdigen, welches das Mineralreich für den Menschen und seine Entwicklungsmöglichkeit dadurch leistet, daß es sich zur festen harten Erde zusammenbackt, halte ich bei der Heilmittel-Zubereitung für sehr wichtig.

Das Ich der Mineralien nun ist in derjenigen Sphäre beheimatet, in der von den geistigen Hierarchien die Throne „wohnen“. Von diesen stammen, nach Steiner, die Gruppenseelen der Mineralien ab.

Betrachtet man so das Wesen der Mineralien nicht als etwas Totes, sondern als Wesenhaft-Lebendiges, so erscheint auch die Vielfalt der Mineralien als giftige Substanz oder als Heilsubstanz, wie ein unterschiedliches, individuelles Umgehen mit dem für die Menschenentwicklung abverlangten Opfer. Denn manche Mineralwesen stehen diesem Opfer positiv gegenüber im Sinne der Schöpfungsevolution, andere aber negativ, sie erdulden dies nur unter höherem Zwang.

In die Zukunft gerichtet ist es so, Rudolf Steiner beschreibt auch hierzu die Behandlung der physisch-mineralischen Welt durch den Menschen, zum Beispiel an Jakob Böhme („Karma des Berufs“), dem Schuster und Mystiker, daß es ganz auf die Art dieser Behandlung ankommt. So wie auf dem alten Saturn, drei planetarische Schöpfungsstufen zuvor, der physische Mensch von Thronen physisch veranlagt worden ist, so wird auch die von Menschen heute behandelte physische Substanz drei Schöpfungszyklen später, auf dem Vulkan, zu selbstbewußten Wesen erwachen. Bereits auf dem Jupiter, das heißt der nächsten Schöpfungsstufe, werden lebende Wesen daraus, das heißt konkret zum Beispiel aus Maschinen, die der Mensch heute herstellt. Steiner beschreibt diese zum Teil als Ungeheuer, die dann dem Menschen entgegentreten werden. Insofern aber diese heutige Materie zum Lobe Gottes und nicht zum Eigennutz behandelt wird, werden positive Wesen daraus.

Es ergibt sich ferner, daß die Herstellung von echten mineralischen Heilmitteln in Zukunft und in ferner Zukunft auch dazu führt, daß in diesen Heilmitteln Heilige entstehen, für die der Mensch, in seiner bereits heute existierenden Mitschöpfungsverantwortlichkeit, die Ursache setzt. Ist so vielleicht die alchemistische Idee verständlich, die da sagt, Christus habe den Menschen erlöst, der Stein der Weisen aber werde die Welt erlösen?

In dieser Abhandlung soll nun zunächst die Frage erörtert werden, ob es möglich ist und wie es vorstellbar erscheint, die Kräfte der höheren Wesensglieder der Metalle physisch verfügbar zu machen. Verschiedene pharmazeutische Verfahren bezwecken ja die Verfügbarmachung von Substanzen oder ihren anhaftenden Kräften als Heilmittel. Die heutige „physische Medizin“ versucht dies auf chemische Weise. Sie bedient sich nicht mehr der Naturreiche, um an diesen zu arbeiten, sondern erschafft sich eigene, untersinnliche, unternatürliche, noch unerlöstere und daher noch „totere“ Reiche.

Die Homöopathie betreibt eine besondere Auflockerung von Mineralien, Heilpflanzen und anderen Heilsubstanzen, wobei unter stufenweiser Abtrennung der physischen Substanz beim Potenzierungsprozeß das Mittel geeignet wird, sich besonders mit den es umgebenden, peripheren Aetherkräften zu verbinden.

Die anthroposophische Medizin geht weiter und versucht eine besondere Abstimmung der charakteristischen Wesens-Eigenart einer Natursubstanz mit dem Menschen. Dabei versucht sie das Heilmittel zum einen so zu behandeln, wie es ihrem Wesen entspricht, und zugleich so, wie es dem zu behandelnden Menschen gemäß ist. Dem Heilungsprozeß ist immer auch ein Erkenntnisprozeß immanent. Dieser kann sowohl auf bewußter Ebene stattfinden als auch auf einer Ebene, wo eine Natursubstanz im Menschen unbewußt einen Prozeß dadurch in Gang setzt, daß sie durch ihr Wesen dem Körper ein Vorbild gibt, das dieser aufnimmt und dadurch Heilung einleitet. Dazu soll der Mensch und sein Körper Zeit und Gelegenheit haben. Insofern sind „Wunderheilmittel“ in der Anthroposophie nicht prinzipiell gefragt, als welche man die Hochpotenzen in der Homöopathie fast ansehen kann. Wobei diese, zumindest wenn sie dem behandelten Menschen nicht ganz exakt als Simile entsprechen, diesem durchaus ein geistig-seelisches Zwangskorsett überstülpen können. Der Mensch kann sich dabei so fühlen, als sei er gar nicht er selbst. Vor solchen Erscheinungen hat nicht nur mit Recht Rudolf Steiner, sondern bereits Hahnemann selbst gewarnt. Die medizinische Kunst bleibt da leicht auf der Strecke, die Naturerkenntnis ohnehin. Gerade das Zusammenspiel von Natur- und Menschenerkenntnis, die Weisheit des Makro- und des Mikrokosmos aber ist für eine wirklich ganzheitliche Medizin unabdingbar.

Gerade sie wurde durch das Medizinaledikt aus dem Jahre 1240, welches die Trennung von Arzt und Apotheker manifestierte, prinzipiell eliminiert. Ich halte diese gesetzliche Trennung für ein grundlegendes Manko der heutigen Medizin. Mir geht es um ein Zusammenbringen der außermenschlichen kosmischen Kräfte mit dem Menschen, ohne allzu große Kompromisse. Ein wirklicher Arzt muß den Prozeß, der zwischen Natur/Heilmittel und Mensch wirkt, verstehen und voll kontrollieren können. Das ist heute völlig verlorengegangen. Jatrochemische Medizin ist in industriellen Produktionsmaßstäben nicht machbar. Sie setzt eine „maßgeschneiderte“ rezepturmäßige Anfertigung voraus, die bestenfalls durch eine Symbiose zwischen Arzt und Apotheker zu erreichen ist.

Die Alchemie ist nun für die heutigen anthroposophischen Methoden und Erkenntnisse kein Ersatz. Wenn man sie allerdings als eine Quellwissenschaft versteht, tun sich noch viele, meist ungeahnte Möglichkeiten auf, auch für zukünftige Heilmittelverbesserungen.

Die Alchemie behandelte bislang die einzelnen Heilmittel nicht so auf das individuelle Wesen abgestimmt. Ihr ging und geht es bei der Heilmittelbehandlung prinzipiell um die philosophischen Prinzipien Sal, Sulphur und Merkur, sowie um die Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde. Es geht um deren Darstellung im Physischen, ihre Reinigung, dadurch Vervollkommnung im Wesen, neuerliches Zusammenfügen und dadurch Erzielung eines neuen, ganzheitlichen, möglichst vollkommenen Wesens, welches dann, als Vorbild im Menschen, Heilung bewirken kann.

In der Alchemie geht es vielleicht mehr um die ganzheitlichen Bezüge einer Substanz zum Universum als solche. In der anthroposophischen Medizin sind zwar diese Bezüge auch wichtig, es geht aber konkret mehr um die individuell-wesenhaften Eigenschaften unmittelbar im Hinblick auf den Menschen. Im einen Fall werden die Polaritäten in ihrer universellen Ganzheit betrachtet, nebst der sie vermittelnden merkuriellen Entitäten. Aus einer solchen Überschau heraus hat auch Rudolf Steiner, so sehe ich es, dann auf konkrete Einzelfälle bezogen, seine Heilmittelkompositionen geschaffen. Das läßt sich aufzeigen, soll aber hier nicht weiter verfolgt werden. Sehr schön und gut verständlich wird dies zum Beispiel in der Heilmittelfibel zu den Weleda-Heilmitteln von Henning Schramm beschrieben und verdeutlicht.

Da wo aber Mängel in der Gesamtschau auftreten, müssen daher auch Stagnationen in der anthroposophischen Heilmittelforschung auftreten.

Umgekehrt arbeitet die Alchemie in einem universellen System mit einem gewissen Ewigkeitswert, mehr unabhängig auch vom einzelnen Menschen in einer konkreten Zeit.

Die Alchemie existierte bereits in der alten ägyptischen Kultur. Auch in Indien existierte Alchemie und sie existiert bis heute in der Überlieferungen der Ayurveda-Medizin fort. Meines Erachtens war die Alchemie zur Zeit der ausgehenden Verstandesseelenzeit die fortgeschrittenste Wissenschaft. Nicht das Element eines atavistischen Hellsehens, wie teilweise irrtümlich angenommen, war damals maßgeblich, sondern das Element des verstandesmäßigen Denkens und der Philosophie. Bei den Großen der Alchemie wie Albertus Magnus, Thomas von Aquin bis hin zu Paracelsus war dies eindeutig der Fall. Durch die christlichen Gelehrten wurde die Alchemie, auch wenn sie aus dem Orient zu uns gekommen sein mag, zu neuen Höhepunkten geführt. Ergebnisse, wie sie von den genannten Gelehrten oder auch von anderen, wie zum Beispiel Raimundus Lullus, Basilius Valentinus, Nikolaus Flamel, Isaacus Hollandus, erzielt wurden, sind aus früheren Zeiten nicht beglaubigt (Schmieder, Geschichte der Alchemie). Wenn aber Alchemie die Wissenschaft ist, die das Zeitalter der Verstandesseelenentwicklung zu ihrer Höhe begleiten konnte, ist es für die heutige Zeit der Entwicklung der Bewußtseinsseele nötig, darauf aufzubauen. Wenn dies nicht geschieht, besteht die Gefahr, in eine „neue“, bzw. in die alte Gefühlsseligkeit der Empfindungsseele zurückzufallen.

Deshalb braucht die anthroposophische Geisteswissenschaft die Alchemie als ihre Quellwissenschaft. Aber die Alchemie ihrerseits braucht die Geisteswissenschaft, um ihre Zusammenhänge in einem klaren, der heutigen Zeit entsprechenden Licht neu und rational zu erfassen. Sonst fällt auch sie zurück. Bevor es aber möglich ist, auf der Alchemie aufzubauen, muß man sie erst einmal, zumindest in gewissem Umfang, verstehen. Die Alchemie arbeitet an der Vervollkommnung und Erlösung materieller Substanzen. Gelingt dies aber, entsteht ein Heilmittel von universeller Wirkung, denn alles Vollkommene wirkt heilend auf alles Unvollkommene. So arbeitet die Alchemie zum Wohle des Menschen.

Die drei philosophischen Prinzipien SAL, SULPHUR, MERKUR

Im Folgenden soll es um die Darstellung dieser Prinzipien gehen. In der Alchemie heißen sie die „philosophischen Prinzipien“. Vielleicht wäre es heute, zumindest für den Anthroposophen, richtiger, von geistigen Prinzipien zu sprechen.

Der Begriff „philosophisch“ könnte heute zu dem fälschlichen Schluß führen, daß es sich dabei um etwas vom Menschen Ausgedachtes handele. Dies ist nicht der Fall. Es geht hier vielmehr um universelle Schöpfungsprinzipien, die in der Welt, in jedem Kraut, in allen Dingen, anwesend sind. Das sind keine physischen Substanzen, wenngleich die Prinzipien sich in physischen Substanzen, die am meisten charakteristisch sind, darstellen lassen.

Es ist hierbei so ähnlich wie bei der Urpflanze Goethes. Sie existiert real als geistiges Urbild jeder Pflanze. Die philosophischen oder geistigen Prinzipien beschreiben die am meisten polaren Dynamiken in der Welt und im Einzelnen als Salz bzw. Sulphur und den vermittelnden Merkur dazwischen.

In der Pflanzenwelt läßt sich dies wunderbar studieren, zum Beispiel wenn man eine Pflanze destilliert. Überhaupt ist die Kunst der Destillation diejenige, durch die sich das Schöpfungsgeheimnis der dreieinigen Prinzipien am besten enthüllt.

Da ist einmal das Sulphurische, das, was zunächst verfliegt, dem Feuer am wenigsten widersteht, verbrennt. Da ist andrerseits das Gegenteil. Dasjenige, was am meisten dem Feuer widersteht und unverbrennlich ist: die Asche, und in ihr: das Salz. Ein reines, hochalkalisches, schön reinigungsfähiges Salz.

Hierzu eine Geschichte: Da gab es einmal einen Alchemisten, der sich bei einer renommierten anthroposophischen Heilmittelfirma um eine Anstellung bewarb. Aber man konnte sich nicht darüber einig werden, was im Pflanzenreich das Prinzip Sal, Sulphur und Merkur sei. Die Firma vertrat, sich auf Rudolf Steiner berufend, die Ansicht, daß das Prinzip Salz durch die Wurzel, das Prinzip Sulphur durch den Blüten- und Fruchtbereich und das Prinzip Merkur durch den Blatt- und Stengelbereich repräsentiert sei.

Unser Alchemist war jedoch der Meinung, wie oben, daß zum Beispiel der flüchtige Sulphur einer Pflanze sein ätherisches Öl sei (es gibt auch einen fixen Sulphur), das Salz das Sal repräsentiere und das Prinzip des Merkurs im Pflanzenreich: das sei der Alkohol, insbesondere der Aethylalkohol.

Da man sich nicht einigen konnte, kam es nicht zu der erhofften Einstellung bei der Firma.

Ist die Differenz unlösbar? Ich glaube nicht.

Besinnt man sich zum Beispiel auf die Erläuterungen, die Rudolf Steiner selbst bei der Erklärung der menschlichen Dreigliederung gibt, läßt sich sagen: Das Prinzip Sal zum Beispiel ist keineswegs auf den Kopfbereich beschränkt, wird nur von ihm (in seiner Zusammengezogenheit, in der Totheit der Substanz, des Gehirns, kristallines Auge usw.) am meisten repräsentiert. Nervenprozesse jedoch sind auch im Stoffwechsel vorhanden.

So sind alle Prinzipien überall anwesend, nur an den drei exponierten Stellen, oben, unten, in der Mitte, sind sie jeweils besonders typisch ausgeprägt. So ist das auch bei der Pflanze. Das zum einen.

Um nun aber zu verstehen, daß der Alkohol tatsächlich ein besonderer Merkur im Pflanzenreich ist, dazu verhilft auch u. a. eine Aussage Steiners: „Der Alkohol ist ein Ich!“ Wessen Ich, fragt sich. Nun, er ist ein Pflanzen-Ich, gewonnen aus dem Wein, auch aus dem Zucker, der wiederum durch Photosynthese aus dem Sonnenlicht entsteht. In der Sonne aber, so Rudolf Steiner, ist das Pflanzen-Ich beheimatet. Der Aethylalkohol in seiner Kraft, entspricht als physische Substanz dem am besten. Er ist ein „geistiges Getränk“, wie das Gesetz, wie die Juristen sagen.

Soweit zunächst zu den Prinzipien im Pflanzenreich. Auf den Wein als Pflanze in seiner universellen Bedeutung ist noch weiter einzugehen. In jedem der vier Naturreiche herrschen nun spezielle Bedingungen.

Und so nähern wir uns langsam dem eigentlichen Thema.

Es stellt sich die Frage, ob und wie die Prinzipien im Mineralreich und bei den Metallen darstellbar, ausziehbar sind? Um es, dem ungeduldig Neugierigen zum Trotz, gleich zu sagen: um nichts wurde in der Alchemie mehr der Mantel des Schweigens oder scheinbarer (oder wirklicher) Undeutlichkeit gelegt, als um die Arbeit mit den Metallen.

Galt es dabei doch, die größten Geheimnisse, ja Mysterien zu schützen, damit sie nicht Unberufenen in die Hände fallen. In einem gewissen Grad gilt dies noch heute. Jedoch besteht der Schutz, so glaube ich heute, schon im allgemeinen Unglauben und im Desinteresse der meisten Menschen.

Andrerseits erfordert der Abstieg des Menschen in die Unternatur der Technik auch ein entsprechend hohes Hinaufsteigen in die Übernatur.

Und wir sind in einer so gefährlichen Zeit, in der so viel Wissen bekannt ist, daß es auch der immer größeren Bekanntwerdung des „guten“ Wissens bedarf, um in Zukunft gewappnet sein zu können.

Ganz konkret halte ich die in einer entsprechenden Heilmittelentwicklung angelegten Potenzen für eine echte Alternative zur modernen High-Tech-Medizin, wie sie sich in der Transplantationsmedizin und deren wachsenden Umfang zeigt, welche die Tötung von Menschen zur Vorbedingung hat.

Der Merkur eines Naturreichs hat die Fähigkeit, die anderen Prinzipien in sich zu lösen. Auch, diese in sich zu vereinigen. Der Alkohol hat diese Qualität bei den Pflanzen.

Gibt es nun etwas entsprechendes im Mineralreich? Den Merkur des Mineralreichs?

Geht man von den Eingangsüberlegungen aus und wie das Mineral in das Sonnensystem eingebettet ist, so ergibt sich zum Beispiel etwas in Bezug auf das Mineral-Ich, welches von der Saturnsphäre aus peripher einwirkt in das Sonnensystem.

Das Mineralreich ist ja auf den alten Saturn, vor der Sonnenzeit, veranlagt. Nun wurde viel Geheimnis gemacht aus einer Ausgangssubstanz, die sogenannte Prima materia, in der einst alles in Lösung war. Wir müssen dazu von der Sonne zurückgehen, zum alten Saturn.

Die Alchemisten fanden eine Sonnensubstanz, das heißt eine Substanz aus dem Wein, den Essig, in besonderer Zubereitung, in dem sich das Saturnmetall löste. Durch Destillation gewann man im weiteren eine Grundsubstanz für den metallischen Merkur. Hierbei handelt es sich um den wahrscheinlich eigentlichen Vorgang zur radikalen Auflösung der Metalle in ihren Prinzipien.

Es gibt auch partielle Auflösungen, zum Beispiel andere, philosophisch äußerst interessante Wege, um aus den Metallen ölige, sulphurische Substanzen auszuziehen, die, gereinigt, äußerst stark in der Wirkung sind. So kann zum Beispiel jedes einzelne Metall in gewissen Säuren aufgelöst werden. Dabei können u.a. Säuren aus pflanzlich-organischen Substanzen, wie Wein (Essig) oder auch zum Teil der Zitrone, genommen werden. Ähnlich wie bei der Destillation des Bleiacetats oben, ergeben sich flüchtige, sulphurische Substanzen, die dann noch einer speziellen Reinigung bedürfen, ehe sie ihre Wirkung zeigen. Dabei werden sie von den wasserlöslichen Salzen befreit und können eingetrocknet, wieder im Alkohol gelöst sein und dadurch wieder verfügbar werden.

In allgemeinen Zügen möchte ich auch hier das Wesen von mir so genannter philosophischer Essenzen beschreiben: Die Kunst der Darstellung bzw. Scheidung in die drei Prinzipien und ihrer anschließenden Wiedervereinigung nach Reinigung wird gemeinhin als Spagyrik bezeichnet. Um nun im Mineralreich eine die Prinzipien (ganz oder auch nur teilweise) lösende Essenz zu gewinnen, bedarf es einer Mineralspagyrik. Dies aber ist auch eine Salzspagyrik. Haben wir ein flüchtiges, sulphurisches und ein fixes und eventuell noch ein mittleres Salz in einer Essenz, so hat diese bereits eine lösende Kraft auf die Prinzipien der Mineralien. Besonders günstig scheint dabei zu sein, wenn diese Salze aus „einer“ Substanz hervorgehen.

Es gibt dieser Art verschiedene Möglichkeiten. Besonders empfehlenswert ist hier die Arbeit mit dem Weinstein (wieder einmal der Wein!), aber auch mit dem Urin. Diese Substanzen enthalten die Möglichkeit einer Salzspagyrik in sich. Dabei geht es darum, flüchtige Salze entweder zu finden, entstehen zu lassen (durch sogenannte Putrefaktion, das heißt Fäulung) oder anders flüchtig zu machen.

In den großen Werken der Alchemisten geht es immer wieder darum, Fixes flüchtig zu machen und Flüchtiges zu fixieren. Dies ist im Bild des Ouroborus dargestellt. In einem solchen Wesen liegt auch die Potenz zur Aufschließung der Metalle, sogar auch des Goldes.

Das Aurum potabile ist ein sulphurischer Auszug aus dem Gold, ein Gold-“Öl“. Seine Wirkung wurde von den Alchemisten als die höchste Heilkraft bezeichnet, auch mit lebensverlängernder Wirkung.

Hiervon zu unterscheiden sind die Goldsalze, oder auch die anderen Metallsalze. Um diese zu gewinnen, ist eine radikale Auflösung vonnöten. Sicher gibt es auch hier Einzelwege. Sie sind nicht identisch mit den der Chemie bekannten Metallsalzen und sind chemisch bisher noch nicht analysiert. Das ist bei den Metallölen auch der Fall.

Die charakteristische Heilwirkung findet sich aber in den Metallölen, die auch die Sulphure oder Seelen der Metalle oder auch „trinkbare“ Metalle (zum Beispiel das Aurum oder auch Argentum potabile) genannt werden. Sie sind dann im Weingeist löslich und als solche medizinisch verwendbar. Man spricht auch vom Auszug der Farbe, der dann die Tinktur der Metalle darstellt.

Wie sind diese erhältlich, so daß man wirklich vom richtigen Metallöl sprechen kann, welches sich durch hohe Wirkungskraft, Ungiftigkeit, farbliches Aussehen und sogar auch zum Teil durch Geruch zu erkennen gibt?

Es sollen hier, das sei klar gesagt, nicht in erster Linie Kochrezepte dargelegt werden, sondern auf die ganzheitlichen Zusammenhänge eingegangen werden. Wenn es also zum Beispiel möglich ist, mit dem pflanzlichen Merkur, vor allem dem Aethylalkohol, aber auch unter Umständen mit Essig, eine Tinktur aus Pflanzen auszuziehen, stellt sich die Frage nach einer entsprechenden Möglichkeit im Mineralreich.

Mit dem Alkohol läßt sich im Mineralreich in der Regel nichts ausrichten. Der physisch dem Mineral verbundene Sulphur ist auch ganz anders und viel intensiver mit der physischen Substanz des Minerals verbunden. Säuren, die Metalle angreifen, lösen vom Mineral keine Tinktur heraus. Vielmehr lösen sie es gleich ganz auf. So ist es auch beim Erhitzen und bei der Metalldestillation. Die Prinzipien Sal und Sulphur bleiben beieinander und werden dadurch nicht getrennt.

Wenn man nun nicht den universellen Weg über die „philosophischen Essenz“ (auch Alkahest genannt) geht, stellt sich die Frage, ob es noch andere Verfahren zur Herauslösung einer entsprechenden Tinktur gibt. Säuren, selbst Ausdruck der Wirksamkeit astralischer Kräfte im physischen Bereich, können nun Metalle, die in ihnen gelöst sind, so in ihrem Prinzipienzusammenhalt auflockern bzw. aufschließen, daß es dann durch geeignete Verfahren, insbesondere der Destillation gelingt, flüchtigeren Sulphur vom fixeren Körper zu trennen. Dieser bedarf dann noch der Reinigung und Abscheidung eventuell noch vorhandener giftiger Substanzen, die im Metallbereich oft wasserlöslich sind.

Gerade wenn man diesen Weg geht, kommt man zu einem charakteristischen, weihrauchähnlichen Geruch, ja sogar Duft. Beim Gold kann er süß sein wie Sanddorn, beim Quecksilber mehr rauchig herb. Andere Metalle modifizieren den stets ähnlich weihrauchartigen Duft individuell.

Die Wirkung kleinster Mengen dieser gereinigten Metallsulphure ist in der Urtinktur manchmal fast überwältigend stark, wobei nicht nur bei dem Goldauszug, auch bei dem aus dem Eisen und anderen, eine Art „Wärmewelle“ von der Gegend des Solarplexus aus in den ganzen Körper ausstrahlt. Die Intensität dieses Gefühls läßt bei häufigerer Einnahme nach. Um eine erträglichere Abschwächung der Wirkungsintensität zu erreichen, mußten erhebliche Verdünnungen bzw. Potenzierungen durchgeführt werden. Selbst in der C-30er Potenz ist einer der Goldauszüge oft noch deutlich spürbar.

Es muß schon angenommen werden, daß die hier zutage tretenden Metallwirkungen, anders als die Wirkung pflanzlicher Mittel, von einer gewissen Unwiderstehlichkeit sind. Hauptsächlicher Schwerpunkt des medizinischen Einsatzes wäre, grundsätzlich, ebenfalls bei entsprechend „unwiderstehlichen“ Krankheiten. Um ihre Wirkung und optimale Dosierung und auch Hilfe für viele Menschen genau zu eruieren, braucht es noch viel Arbeit.

Die gewisse Ähnlichkeit der Wirkung, ebenso wie die des Geruchs oder der Farbe, scheint darauf hinzudeuten, daß die sieben Hauptmetalle, ebenso wie die Planetenwirkungen, in unserem Sonnensystem Modifikationen der Sonnenwirkung oder auch des Goldes sind, welches alle diese metallenen Polaritäten zusammenfaßt.

Um noch einmal auf den Wein zurückzukommen, der für die Alchemisten die Pflanze der Pflanzen darstellt: Es gibt kaum etwas, woraus so viele Substanzen und Prozesse sich weiter ergeben. Da ist zunächst der Alkohol, der oft etwas einseitig, gerade in der Anthroposophie, be- oder verurteilt wird, als etwas Totes. Tötend auf das menschliche Ich wirkt der Alkohol aber deshalb, weil er selbst ein Ich ist, welches von den Geistern der Weisheit den Pflanzen gegeben ist und erst später, auf der Venus, seine eigene Menschheitsstufe durchmachen kann. Die Kraft und geistige Höhe wirkt dann, von unserem menschlichen Ich heutzutage noch nicht kontrollierbar, in unseren Aetherleib. Dennoch ist der Alkohol nicht einfach nur schädlich. Man muß ihn kennen und richtig mit ihm umgehen lernen. Gerade auch in der Medizin.

Weiter zu nennen ist auch der Essig, als Abkömmling des Weines. Er ist ein „schwerer“ - das heißt auch schwerer destillierbar (bei 114°C) - sogenannter fixer Merkur im Pflanzenreich. In ihm lösen sich viele Metalle, jedenfalls teilweise. Zusammen mit den genannten Destillationsprozessen wird ein sogenannter philosphischer Weingeist erstellt, der dann auch in der Lage ist, Metall radikal aufzulösen, das heißt so, daß sowohl Farbe und Sulphur völlig abtrennbar werden, als auch die philosophischen Salze, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll.

In dieser Reihe besonders weiter zu nennen sind auch acetonartige Substanzen, die gewonnen werden können.

Auch zu erwähnen ist der Weinstein. Er ist eine aus dem Pflanzensein anfallende mineralische Substanz, meist sphärisch (im Faß) abgelagert. Dieser ist auf mannigfachste Weise bearbeitbar. Man kann ihn reinigen, sublimieren, veraschen, das Salz entziehen und letztlich so aufschließen, auflockern, daß es flüchtig wird. Es gibt eine ganze Alchemie, die sich nur mit dem Weinstein befaßt. Er gibt einerseits gute Heilmittel, die zum Beispiel Nieren- oder Gallensteine auflösen und anderes mehr, ermöglicht andererseits aber auch einen eigenen Einstieg in die Metallalchemie. Dabei gibt es dann zum Beispiel einen alkalischen Aufschluß des Goldes und die Möglichkeit über diesen Weg, ihm partiell, nicht radikal, die Farbe auszuziehen. Das kann der Weinstein auf verschiedene Weise. Man kann aus ihm einen Spiritus gewinnen, der im Prinzip wie die genannten philosophischen Essenzen wirkt. Zum Teil werden solche Essenzen auch als Circulate bezeichnet. So gibt es zum Beispiel das Circulatum minus des Urbigerus, welches im Pflanzenreich wirkt. Das Circulatum majus wirkt im Mineral- und Metallreich.

Hier gibt es tatsächlich verschiedene solcher Essenzen in unterschiedlicher Stärke und Qualität. Hierbei handelt es sich um die universellen Lösungsmittel der Alchemisten, von denen einige eben auch Gold lösen. Rudolf Steiner sagte, und nicht nur er, es sei schwerer, das Gold zu zerstören, als neues zu machen.

Von der Wirkung

Wie kann man sich nun einem Verständnis der Wirkungsweise alchemischer Metallpräparate annähern?

Geht man, vergleichsweise, von der Wirkung eines durch Potenzierung zubereiteten Präparats aus, so kann man sagen: Solche, bzw. homöopathische Mittel, gehen von einer in sich quasi homogenen, einheitlichen Substanz aus, die in ihren besonderen Eigenschaften durch die Wahl der Potenz ansprechbar, steuerbar erscheint. Wenn, wie vorliegend, sulphurische Auszüge von Metallen angewendet werden, so muß vor allem diese sulphurische Komponente in ihrer Wirkung kennengelernt werden. Ihr steht das Prinzip Sal automatisch polar gegenüber. Dieses fehlt in diesen Präparaten, die daher einseitig sind. Die Wirkung des Sulphurs beim Metall weist uns daher insbesondere auf seine kosmische Wirkung. Generell wirken Mineralien auf das Ich des Menschen ein.

Auch dieses hat eine mehr irdische und eine mehr kosmische Wirksamkeit. Die irdische vermittelt unser Ich- und Selbstbewußtsein. Sie ist vorwiegend im Kopf lokalisiert.

Eine mehr kosmische, unbewußte Ich-Wirkung gibt es im Stoffwechsel, zum Beispiel in der Regulation des Wärmehaushalts des Zuckerstoffwechsels und des Blutes. Aber auch im rhythmischen Bereich eines durchwärmten Gefühlslebens. Ich vermute, daß ganz allgemein durch die metallischen Sulphure, insbesondere durch Aurum potabile, höhere Ich-Kräfte angesprochen und aktiviert werden. Diese sind nicht die gleichen wie diejenigen, welche in den abbauenden Bewußtseinskräften in unserer Leiblichkeit wirken.

Für ihre aufbauende Kraft freilich ist unser Leib in unserer heutigen Form, unter Erdenbedingungen, nur bedingt und in Maßen geeignet. Dies ist vielleicht beim Alkohol ähnlich. Das ist zu berücksichtigen. Soweit kann man vielleicht die Wirkung allgemein skizzieren.

Eine individuelle Beschreibung der einzelnen Metalle müßte diese dann noch ergänzen.

Ich glaube, daß die Alchemie die Wissenschaft ist, die zum einen diesen Namen voll und wirklich schon verdient (im Gegensatz zu den meisten, heutigen wissenschaftlichen Spezialsparten), zum anderen aber die Natur und ihre Reiche, geordnet nach Gattungen und Prinzipien vollkommen erforschen kann. Dies entspricht in etwa der Mystik des ausgehenden Mittelalters, wo es hauptsächlich um die Reinigungsprozesse im Seelischen ging.

Der modernen Anthroposophie dagegen geht es vor allem um die Entwicklung des Individuellen, des Ich. Dabei wird aber leider vielfach übersehen, daß letzteres auf dem vorhergehenden aufbaut und ihm nicht widerspricht. Wenn es gelingt, diese scheinbaren Widersprüche durch gegenseitige Ergänzung aufzulösen, werden beide sich entscheidend befruchten können.

Michael Nagel


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