Vorbereitung

30 g Gold (Feingehalt 9999) wurden in Königswasser aufgelöst und mit destilliertem Wasser abgesüßt1, bis dieses annähernd pH-neutral wurde und sich Flimmer metallischen Goldes zeigten2.

Königswasser, eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure, setzt metallisches Gold in Goldsalze um, hauptsächlich in Goldchlorid3. Aus saurem Milieu in neutrales oder alkalisches gebracht, neigen die Salze dazu, wieder in metallisches Gold umzuschlagen.

Während des Absüßens erschien auch ein brauner Niederschlag in der Lösung, den wir ausfilterten, trockneten und zu weiterem möglichen Gebrauch aufbehielten, etikettiert als "-Corpus".

Goldsalze sind im Vergleich zu den meisten andern Metallsalzen sehr komplex. Da 9999er-Feingold verwendet wurde, kann das braune Pulver keine Unreinheit sein. Eine Analyse wurde nicht durchgeführt, aber da dieses Pulver wasserunlöslich ist, könnte es sich sehr gut um Goldhydroxid oder Goldsulfid handeln4.

Die erhaltenen Goldsalze waren dunkel purpurfarben und wurden gründlich getrocknet, da sie sich als stark wasseranziehend erwiesen.

Goldchlorid ist nicht nur wasserlöslich, es zieht auch sehr schnell Feuchtigkeit an und wird flüssig. Es wird ebenfalls bei Erwärmung flüssig. Wir wuschen bis annähernd pH-neutral aus, ließen das Wasser abdampfen und zerstießen das Salz in kleine Klümpchen. Ein kleiner Erlenmeyerkolben bei sehr gelinder Wärme erwies sich am geeignetsten, um das Salz gründlich zu trocknen.

Scheidung

Philosophischer Merkur5 wurde über einen Teil des Goldchlorides6 gegeben und verursachte heftiges Zischen und Wärmeentwicklung, die den Inhalt des Kolbens zum Kochen brachte. Die Dämpfe rochen stark nach Königswasser.

Archibald Cockren: "Wenn zu diesen Goldsalzen das Merkurialwasser hinzugefügt wird, gibt es ein leichtes Zischen und Erwärmung, und das Gold wird eine dunkelrote Flüssigkeit." (Alchemy rediscovered and restored<, Seite 125)

Je weniger Merkur man hinzugibt, und je langsamer, desto stärker zischt es. In zuviel Merkur "ertrinkt" das Salz und das Zischen unterbleibt7.

Die Flüssigkeit wurde sofort tiefrot. Ein sich bildender Bodensatz wurde nach Abkühlung durch Filterpapier Nr. 5 abfiltriert8. Auf den Satz im Filter gossen wir mehr von unserem Merkur, bis keine Farbe mehr herauskam. Den getrockneten hellbraunen Satz gaben wir zu dem "-Corpus".

Dieses hellbraune Pulver verhält sich ganz wie der Niederschlag, der bei der Aussüßung der Salze entstanden war: er löst sich weder in Wasser noch in Alkohol, ist pH-neutral und verkohlt bei der Kalzination schnell, entzündet sich und verglüht.

Dieses dunkelrote Filtrat, jetzt "Extrakt Nr. 1" genannt, destillierten wir, um das Lösemittel zurückzugewinnen. Dieses wurde wieder auf weiteres Goldchlorid gegeben und der Prozess wiederholt, bis alles Goldchlorid aufgebraucht war. Dafür reichten ca. 30 ml Philosophischen Merkurs aus.

Im Umgang mit unserem Lösemittel, das höchst flüchtig ist, sollte man größte Achtsamkeit an den Tag legen, wenn man nicht bedeutende Verluste während der Arbeiten riskieren will. Die Filtration wurde in einem dichtschließenden Gefäß durchgeführt, in das Trichter und Auffangglas gerade hineinpassten. Destilliert wurde aus einer Retorte, deren Vorlage wir vorwärmten, ansetzten und dann erst abkühlen ließen. Dies funktioniert bei niedriger Hitze sehr gut. Die Verbindungen wurden zur Sicherheit mit Klebeband umwickelt. Dieser "Extrakt Nr. 1" kann noch nicht als trinkbares Gold bezeichnet werden. Außer als homäopathische Hochpotenz ist er nicht sicher einzunehmen, denn er enthält nach wie vor gelöstes Goldchlorid und Königswasser, das im Goldchlorid verblieben ist. Cockren sagt nun, Gold sei durch Hinzufügung des Merkurialwassers zu Goldsalzen zu gewinnen. Das stimmt, doch befindet sich das Öl noch in einer giftigen Mischung von Säure und gelösten Salzen. An anderem Ort weist Cockren deutlich darauf hin, dass Gold - eine bernsteinfarbene Flüssigkeit von öliger Beschaffenheit - aus dieser dunkelroten Flüssigkeit auf dem Wege der Destillation erhalten werden könne. Von diesem ÖPl sagt er dann, dass es tatsächlich das alchemistische Gold sei.9

Beim Abdestillieren des Merkurs vom "Extrakt Nr. 1" bemerkten wir, dass zuerst der Merkur überkam, und danach eine mattgelbe Flüssigkeit, die wir in einer Extravorlage auffingen. Diese mattgelbe Flüssigkeit wurde orange, als sie ein paar Stunden stand, später rot und am folgenden Tag sogar dunkelrot. Wir bezeichneten sie nunmehr als "Extrakt Nr. 2".

Diese gelbe Flüssigkeit reagierte sehr sauer; sie enthält sie auch noch Merkur, der auf gelöste Goldsalze10 langsamer einwirkt, wenn sie sich in einer sauren Lösung befinden. Um Verwirrung zu vermeiden, haben wir auf weitere Anmerkungen zu diesem "Extrakt Nr. 2" verzichtet, jedoch sollte kurz erwähnt werden, dass er einige Male vorsichtig mit Wasser ausgewaschen wurde, und schließlich auch einmal mit Alkohol. Der Extrakt wurde rektifiziert (der Alkohol abgedampft, frischer Alkohol zugegossen und filtriert) und zu dem endgültigen Extrakt gegeben11.

Reinigung

Nachdem Merkur und gelbe Flüssigkeit aus dem Extrakt Nr.1 abdestilliert waren, verblieb im Kolben (bzw. der Retorte) eine dicke schwarze Flüssigkeit, und ein Häutchen metallischen Goldes hatte sich auf dem Boden abgesetzt.

Die dünne Schicht metallischen Goldes stammt aus dem Goldchlorid, dem sein Säureanteil während der Destillation benommen wurde, wodurch das Salz wieder zu metallischen Gold wurde, ehe der Merkur die Scheidung bewirken konnte.

Wir übergossen diese schwarze Flüssigkeit mit absolutem Alkohol und erhielten eine dunkelrote Flüssigkeit, die wir filtrierten und als "Extrakt Nr. 3" bezeichneten.

Weiterer Alkohol wurde auf den Satz im Filterpapier gegossen, bis keine Farbe mehr extrahiert werden konnte. Der Satz wurde nun sanft getrocknet und zum "Corpus" gegeben.

Die Goldhäutchen ließen sich leicht vom Boden der Retorte ablösen und wurden zur Wiederverwendung zurückbehalten.

 

 Genügend eingeengt, ist dieser "Extrakt Nr. 3" von öliger Konsistenz, enthält aber noch sehr viel Säure, wie leicht am Geruch zu merken ist.

 Vom "Extrakt Nr.3" wurde der Alkohol abdestilliert, bis das Destillat langsam blassgelb überkommen wollte.

 

 Wir verwendeten einen Rotationsverdampfer. Dies ist aber nicht zwingend nötig, solange nur sehr niedrige Wärme gebraucht wird.

 

 Der Alkohol war äußerst säurehaltig und wurde verworfen.

Den schwarzen zähen Rückstand im Destillierkolben wuschen wir einige Male mit destilliertem Wasser, bis das Waschwasser neutral reagierte.

  Bei Fortsetzung der Destillation unter hohem Vakuum kann daraus ein klares Öl gewonnen werden.

 Das gesammelte Waschwasser wurde abgedampft und die Rückstände einige Male mit Alkohol rektifiziert. Der schwarze zähe Rückstand wurde in absolutem Alkohol aufgelöst und ergab eine stark dunkelrote Flüssigkeit, die durch Filterpapier Nr. 5 filtriert wurde (der Filtersatz wurde wie vor behandelt).

 

Dazu kamen die rektifizierten Rückstände der Auswaschungen und die gesamte Flüssigkeit wurde noch zweimal mit Alkohol rektifiziert, bis auch der Dampf (I) neutralen pH-Wert zeigte. Dies nennen wir nunmehr Aurum potabile: trinkbares Gold.

 

 Lackmuspapier kann bei öligen Flüssigkeiten nicht verwendet werden.

 Soweit das zusammengefasste Arbeitsprotokoll.

 Weitere Empfehlungen und Vorschläge zum Goldöl

Also bereitetes und gereinigtes Trinkgold kann folgendermaßen in ein Öl gebracht werden: Lass den Alkohol bei sehr gelinder Wärme abdestillieren, bis kein Alkohol mehr zu riechen ist. Löse den Rückstand mit Philosophischem Merkur und zirkuliere es einen Philosophischen Monat oder länger. Destilliere den Philosophischen Merkur ab, bis eine Flüssigkeit von zarter öliger Konsistenz überbleibt. Gieße darauf destilliertes Wasser. Dadurch scheidet sich ein bernsteinfarbenes Öl ab, das sich an die Gefäßwände anheftet, wenn man den Kolben sanft wendet und dreht.

Schütte das Wasser in eine Abdampfschale ab. Wenn es noch einen Stich ins Gelbe oder Rote hat, wird es auch sauren pH-Wert zeigen. Das bedeutet, dass entweder das trinkbare Gold oder der Philosophische Merkur nicht genügend gereinigt worden ist.

Wäge den Kolben vor und nach Herausnehmen des Öls (dies kann durch Auflösung in Alkohol leicht aufgenommen werden). Am besten und verlässlichsten wird das Öl als Grundlage für eine Potenzierung genommen.

Das Goldöl kann auch auf folgenden Weg erlangt werden

Löse Goldsalz in einer ausreichenden Menge Philosophischen Merkurs auf und lass es dichtverschlossen mehrere Monate stehen. Dies gibt dem Merkur Zeit, auf das gesamte Salz einzuwirken, und kein metallisches Gold entsteht. So wird sich das bernsteinfarbene Öl abscheiden, befindet sich dann jedoch noch in einer roten Flüssigkeit, die stark säurehaltig ist.

Lass das Öl sich an die Kolbenwände heften und gieß die rote Flüssigkeit ab, oder schütte alles in eine Abdampfschale, lass das Öl sich an den Seiten anhaften und dekantiere die rote Flüssigkeit. Wasch das Öl mit destilliertem Wasser aus, bis es pH-neutral ist, und rektifiziere es mindestens zweimal mit Alkohol.

Dosierung

Rechnet man das Öl als Trockenextrakt, ergäbe 1 g Öl 10 ml Flüssigextrakt12, dies wiederum 100 ml Tinktur, 1 l der D 1, 10 l der D 2 usw.

Welche Potenz gebraucht wird, wieviel und wie oft, muss individuell ermittelt werden, da dies von Person zu Person variiert und von der Empfindlichkeit und
dem Gesundheitszustand abhängt. Soweit ich weiß, ist außer meinen eigenen Versuchen in dieser Richtung nie eine klinische Auswertung dokumentiert worden. Zu meiner Zufriedenheit erwies sich das Goldöl aber als ungiftig, ungiftig jedoch im gleichen Sinne wie ein pflanzliches Abführmittel, mit anderen Worten: zuviel davon kann unerwünschte Wirkungen haben.

Der Erfahrung nach ist es sinnvoll, nicht stärker als mit der Tinktur anzufangen, und zwar mit höchstens 5 Tropfen täglich. Empfindliche Personen sollten mit einer D 1 oder höher beginnen. Überprüfen Sie täglich Ihr Befinden, jedoch ohne dass Sie sich von Ihren Gefühlen oder Einbildungen bestimmen lassen.

Bei schwachen Verdünnungen ist es unwahrscheinlich, dass Sie jeden Tag spürbare Reaktionen bekommen. Hohe Dosen der Tinktur können Kopfschmerzen, Temperaturanstieg, Übermäßiges Wärmegefühl, besonders nachts mit Schweiß, Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Kreuz- und Nackenschmerzen, allgemein Gelenkschmerzen, Nieren- und Blasenschmerzen, dunkleren Urin, Appetitmangel und Schwindel hervorrufen [...]13.

Arthur Fehres

1 Zuvor wird vorsichtig bis zur Trockne abdestilliert, dann erst der Rückstand mit destilliertem Wasser versetzt und wiederum abdestilliert.
2 Falls nämlich zuviel ausgesüßt wird.
3 Streng genommen handelt es sich dabei um Tetrachlorogoldsäure.
4 Am ehesten handelt es sich bei diesen Niederschlägen und Bodensätzen um amorphes metallisches Gold.
5 Dieser Philosophische Merkur ist offenbar der Spiritus Saturni, also Aceton aus der Trockendestillation des Bleiacetats.
6 Wem es nur um das Phänomen zu tun ist, könnte auch gleich Tetrachlorogoldsäure aus dem Handel hernehmen und sich die Vorbereitung sparen.
7 Da sich die hier geschilderte Arbeit überhaupt deutlich auf Cockren zurückgeht, sei hier auch der genaue Wortlaut aus >Alchemy rediscovered and restored< wiedergegeben:

"Dieses merkuriale Wasser, dieser >Athoeter< St. Germains ist unbedingt notwendig, um das Goldöl darzustellen. Man erhält es, indem man das merkuriale Wasser den Goldsalzen zufügt, nachdem diese Salze mehrfach mit destilliertem Wasser ausgewaschen worden sind, um die starke Säure des Königswassers zu entfernen, welche nötig war, um das Metall in diesen Zustand zu überführen."

8 Die Arbeit geht mit einem Papier mittlerer Porengröße ganz ordentlich vonstatten.
9 Cockren weiter: 

"When the Mercurial Water is added to these salts of gold, there is a slight hissing, an increase in heat, and the gold becomes a deep red liquid, from which is obtained, by means of distillation, the oil of gold, a deep amber liquid of an oily consistency.This oil, which is the potable gold of the alchemist, never returns to the metallic form of gold." Der ganze, das Goldöll betreffende Abschnitt kann in der Quinta Essentia Nr. 13 (1979) auf den Seiten 77-80 in deutscher Übersetzung nachgelesen werden.

10 Offenbar sind Goldsalze zum Teil flüchtig geworden und mit übergestiegen. Auf diese wirkt das Aceton nun ein.
11 Bei diesen Rückgewinnungen kommt allerdings so wenig heraus, dass sich die Arbeit kaum lohnt.
12 Und zwar, indem man mit 96%igem Weingeist bis auf 10 ml auffällt. Die weiteren Schritte, hier in Dezimalpotenzen gerechnet, entstehen durch Zugabe der jeweils neunfachen Menge 96%igen Weingeistes. Die hier als "D1" bezeichnete Verdünnung entspricht übrigens in streng homäopathischem Sinne des Arzneigehaltes einer D3.
13 "Solche heroischen Nebenwirkungen, die zwar in der Tat zumeist auf Heilreaktionen zurückzuführen sind, machen dennoch unnötigen Verdruss. Als Siegfried 0. Hansch den vorangehenden Text nach Deutschland übermittelte, fügte er noch einen kurzen, persönlich gehaltenen Nachtrag an. Daraus seien seine Anmerkungen zur Dosierung mitgeteilt und ausdrücklich empfohlen: "Zunächst sollten von der D1 drei bis fünf Tropfen in gutem, reinem (!) Wein genommen werden. Sollten die erwähnten Symptome auftreten, dann die Dosierung weiter heruntersetzen oder vorübergehend einstellen (dies ist eine Reinigung des Körpers und Systems). Ansonsten, oder nachdem die Reinigung vollzogen ist, die Dosierung langsam von Monat zu Monat erhöhen."


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